Mit Sinn und Verstand

Männer zwischen zwanzig und vierzig sind sprunghaft und unzuverlässig, unausgeglichen und neigen zu irrationalen Handlungen. Ja, das ist ein Vorurteil und ja, es stützt sich auf eigene Erfahrungen. Wie wenig das doch auf den Sonntagabend zutraf! Ich freute mich ja bereits auf den Konzertabend mit jungen Herren, meine Erwartungen wurden jedoch noch übertroffen. Anlass war das Konzert des Philadelphia Orchestra unter Yannick Nézet-Séguin im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele. Ich erlebte einen Dirigenten, der alles andere als sprunghaft und unausgeglichen agierte: klug und gewissenhaft modellierte er nicht nur in Tschaikowskys fünfter Sinfonie Lautstärken, Tempi und Klangfarben. Das Ergebnis war ein ausgewogenes, Mehr lesen…

Philharmonia Orchestra London | Esa-Pekka Salonen

Es gäbe viel zu schreiben über das gestrige Konzert vom Philharmonia Orchestra London unter Esa-Pekka Salonen. Zum Beispiel, wie irre kraftvoll und gegensätzlich diese Version von Strawinskys Le Sacre du Printemps war, wie energetisch man Beethovens 7. Sinfonie interpretieren kann und wie satt und elegisch und kräftig Streicher in Witold Lutosławskis Musique funèbre klangen. Wie fein Salonen das Orchester leitete und wie es laut, gewollt roh, aber niemals brutal klang. Aber das sollen andere machen. Ich erlebte gestern ein Konzert, in dem sich Raum und Zeit kurzzeitig völlig auflösten. In dem ich nach der ergreifenden Lutosławskischen Trauermusik schon kaum noch Mehr lesen…

Hohe Kunst für niederes Volk

Happy Birthday, Richard Wagner! Nachdem die halbe Musikwelt sich bereits in der ersten Hälfte des Jahres gierig auf jedes nur mögliche Fitzelchen Wagner gestürzt hat, ist nun der Anlass dafür, man möge fast sagen endlich, da: Richard Wagner feierte gestern seinen 200. Geburtstag. Wobei, genau genommen feierten nur alle anderen, er ist ja schon seit geraumer Zeit tot. In Dresden beging man diesen Anlass am Vorabend des Anlasses mit einem Galakonzert in der Semperoper, welches für’s gemeine Volk auf den Theaterplatz übertragen wurde. Die Stimmung war hübsch, das Panorama ebenso, der Anlass ohnehin. Auch für die weniger schwere Unterhaltung wurde Mehr lesen…

Bis zum fatalen Ende

 Bis zum fatalen Ende Webers Freischütz an der komischen Oper Berlin Vieles kommt mir in den Sinn, denke ich an Webers „Freischütz“. Deutschtümelei, der romantisch-rauschende Wald, die immer ein wenig nach sächsischer Schweiz anmutende Wolfsschlucht, allseits bekannte Jägerchöre, Dresden und Melodien, die zum Mitträllern bekannt sind. Einzig mit einem Splattermovie hätte ich die wohl urdeutsch-romantischste aller Opern niemals verbunden. Die Komische Oper Berlin tut das hingegen. So heißt es auf der Webseite der komischen Oper: „Der spanische Regisseur Calixto Bieito bleibt auch im Umgang mit urdeutschester Opernromantik seinem Hang zum Aufbrechen vertrauter Sehgewohnheiten treu.“ Damit können nur Sehgewohnheiten eines Publikums, Mehr lesen…

Balu, Graceland, Money left to burn, Landungsbrücken

Eigentlich bin ich kein Fangirl. Für Kettcar mache ich eine Ausnahme: ein Blogpost mit Fotos von diesem unglaublich schönen Konzert gestern. Kettcar Meta-Bild Über die Vorbands nur so viel:  Vierkanttretlager empfehle ich ein paar Übungsstunden im heimischen Probenraum – weniger vor dem Spiegel, mehr in der instrumental- und Gesangsausbildung. Findus aus Hamburg sind jung, können schon ‘ne Menge und machen einen guten Eindruck! Marcus Wiebusch Und dann: Endlich Kettcar! Wobei ich sagen besser sollte: Endlich wieder Kettcar! Ich gehe immer seltener zu Konzerten, die Gründe hierfür sind vielfältig. Für Kettcar fahre ich sogar liebend gern in eine andere Stadt, in Mehr lesen…

Duell der Tatort-Komissare

Duell der Tatort-Komissare Axel Prahl folgt Jan-Josef Liefers auf dem weißen Hirsch Wenn Schauspieler singen, muss das nicht zwingend etwas Gutes heißen und singende Tatort-Kommissare sind, spätestens seit Manfred Krug alias Hauptkomissar Stoever, kein Novum mehr. Diese zwei Weisheiten gingen dem Konzert von Axel Prahl (dem münsteraner Tatort-Hauptkomissar Thiel) am vergangenen Freitag, den 13., auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch voraus. Zahlreich strömte der Regen am Tage, ebenso zahlreich aber auch die Besucher zum ausverkauften Platz im Wald, um sich von Prahls sängerischen Qualitäten zu überzeugen. Der zeigt sich ja in seiner Tatort-Rolle als ein bisschen knarziger, etwas eigener, aber irgendwie liebevoller Charakter – und Mehr lesen…

Wunschdenken?

Dresdner Neuste Nachrichten vom 04.06.2012 Nun ist sie also Geschichte, die 35. Auflage der Dresdner Musikfestspiele. Und noch bevor das Abschlusskonzert richtig über die Bühne gehen konnte, erhielten die hiesigen Zeitungen wohl nebenstehende Meldung: Was für ein erfolgreicher Festspieljahrgang! Finanzielle Mehreinnahmen und regelrechte Besucherströme brachten das “Herz Europas”, wie das Motto in diesem Jahr lautete, zum schlagen, die Festivalmacher zum Jubeln – und mich zum Grübeln. 94 % Besucherauslastung, ebenso wie im Vorjahr? Diese Rechnung hätte ich doch zu gern mal dargelegt. Mir scheint, ich war nur zu den Veranstaltungen, die die fehlenden 6% ausgemacht haben. Was allerdings im Umkehrschluss Mehr lesen…