Flucht gen Westen

Schon ihre Wahl war mit einem Beigeschmack versehen, aber jetzt möchte die eigentlich auf 5 Jahre gewählte Rektorin der Musikhochschule Dresden selbige wohl fluchtartig nach Trier verlassen, um dort Kulturdezernentin zu werden.

Heute Morgen erreichte mich eine Meldung meiner Schwester aus der Heimat. Sie schickte mir eine Mitteilung aus der heutigen Sächsischen Zeitung: “Dresdner Rektorin will nach Trier”. Erste Reaktion: Ach. Judith Schinker, Rektorin der Musikhochschule Dresden, will als Kulturdezernentin nach Trier wechseln. Besonders pikant: Die Wahl findet bereits am Veröffentlichungstag des Artikels, also am heutigen Mittwoch statt. Mit der Meldung beruft sich die Sächsische Zeitung auf einen Beitrag der “trier-reporter” vom Montagabend, in welchem Frau Schinker überaus positiv erscheint. Klar, dass aus den Kreisen von SPD, Linke, FDP und Piraten, deren Kandidatin Frau Schinker ist, mit Sicherheit keine Misstöne kommen werden. So lobt SPD-Fraktions- und Parteichef  Sven Teubner auf Twitter:

 

Und auch die Linksfraktion wird im “Volksfreund” des Lobes voll zitiert. Da ist die Rede von “erkennbarer Führungskompetenz”, von “moderner Personalführung” und “Teamkompetenz”.

Und genau da stockt der geneigte Dresdner vielleicht ein wenig: Judith Schinker, das war doch die Dame, die sich in nicht ganz konfliktloser Auseinandersetzung gegen den langjährigen und beliebten Rektor der Dresdner Musikhochschule, Ekkehard Klemm, durchgesetzt hat? Deren Personalie für so viel Zerstrittenheit und zerschlagenes Porzellan gesorgt hat, dass nach ihrer Berufung sogar der Hochschulrat, zu diesem Zeitpunkt bestehend aus Dr. Werner Barlmeyer, Prof. Olaf Bär, Prof. Wilfried Krätzschmar, Regine Lorenz und Jan Vogler,
geschlossen zurückgetreten ist?

 

Ein gedeihliches und unbelastetes Zusammenwirken der Hochschulorgane zum Wohl der Hochschule ist so nicht einzulösen, ein Versuch dazu sollte den Akteuren aller Seiten nicht zugemutet  werden. (Aus dem Rücktrittsschreiben des Hochschulrates an die sächsische Kulturstaatsministerin Stange)

 

“Intrigantenstadl” nennt die Sächsische Zeitung das in ihrem Artikel und verweist zum Einen auf die öffentliche Blamage, die man durch dieses Theater und die Schassung eines verdienten und geschätzten Rektors sich seitens der Hochschule zugefügt hat und zum Anderen auf die Tatsache, dass sich Frau Schinker in ihrem Amt bislang nicht durch öffentliches Auftreten hervorgetan hat. Durch allzuviele gute Nachrichten für die Hochschule übrigens auch nicht.

All diese Dinge sucht man vergebens, schaut man in Trierer Zeitungen. Woran das liegen mag? Nun, vielleicht auch daran, dass man nur eine sehr begrenzte Anzahl an Google-Ergebnissen erhält, wenn man den Namen der Noch-Rektorin googlet. Eine Seite Ergebnisse (davon einige hinter Bezahlschranken) – und am Ende der google’sche Verweis, dass hier nur so wenig Ergebnisse angezeigt werden, weil es das “Recht auf Vergessen” gibt. Hat da jemand eine Löschung beantragt…?

Es bleibt zu spekulieren, warum Frau Schinker wohl Dresden verlassen will. Ob sie es gen Trier wird, entscheidet sich heute Abend. Sicher ist ihre Wahl wohl noch nicht: CDU und Grüne haben im Stadtrat acht Stimmen mehr als SPD, FDP, Linke und Piraten. Stimmen die Unabhängigen Bürger auch für Frau Schinker, fehlten noch immer 4 Stimmen. Und selbst wenn die beiden Ratsmitglieder der AfD-Fraktion ihr Kreuzchen bei Frau Schinker setzen würden, müsste man auf zwei Abweichler hoffen.

Es bleibt unruhig in der Dresdner Musikhochschule.

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