Nein zum Vorsitz des Kulturausschusses durch die AfD

Mit großem Erschrecken verfolge ich seit einiger Zeit die Debatte darüber, dass die AfD den Vorsitz im Kulturausschuss des Bundes übernehmen möchte. Jetzt wurden gestern wohl zwei MdB der AfD tatsächlich dafür nominiert. Ich halte das für absolut untragbar und bin mir sicher, dass mir hier nicht nur die Kulturschaffenden zustimmen werden.

Deutsche Leitkultur: Ein Traum der AfDEine Partei, die “Deutsche Leitkultur statt Multikulturalismus” propagiert, ist eindeutig nicht geeignet, den Vorsitz eines Kulturausschusses zu führen. Und auch andere Schlagworte schmerzen mich (nicht nur als Kulturschaffende) besonders: die geforderte Abschaffung des Rundfunkbeitrages würde gleichermaßen das Aus der Rundfunkklangkörper und damit maßgeblich auch ein Aus der Förderung zeitgenössischer Musik, Kompositionen, Komponisten… bedeuten. Ein wie im Grundsatzprogramm von 2016 gefordertes ausschließliches Bezahlfernsehen müssen wir hoffentlich an dieser Stelle gar nicht erst diskutieren.

Eine explizite Abkehr von der “deutschen Erinnerungskultur zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung” jagt mir in dieser Formulierung kalte Schauer über den Rücken. Und die anderweitig oft gewünschte Hinwendung zur Romantik ist aus anderen Kreisen hinlänglich bekannt als Zeichen deutschtümelnden, falsch verstandenen Nationalstolzes. (Was überhaupt nicht gegen die Epoche der Romantik sprechen soll, die allerdings in Deutschen Theatern und Konzertsälen ohnehin nicht unterrepräsentiert ist.) All diese Forderungen gehen sogar soweit, dass man unliebsamen Kulturinstitutionen wie dem Berliner Gorki-Theater oder dem Friedrichstadt-Palast sogar die öffentlichen Subventionen streichen möchte. Von Einrichtungen mit islamischem Hintergrund mal ganz abgesehen, die mit “Der Islam gehört nicht zu Deutschland” deutlich gezeigt bekommen, dass Kultur bei der AfD ein Begriff ist, welcher sich in peinlich überholten und antiquierten Grenzen bewegt.

Diese Liste der Unerträglichkeiten ist beliebig fortzuführen.

Mir ist klar, dass ein Vorsitz eines Ausschusses nicht die Umsetzung eines Parteiprogramms bedeutet. Aber ist es wirklich dieses Signal, welches in Zuklunft aus dem kulturreichen Land Deutschland nach außen dringen soll?

Ich schließe mich dem Beschluss des Deutschen Kulturrates daher an und hoffe, dass viele (vor allem auch viele MdB) diesem Gehör schenken und entsprechend handeln.

„Der Deutsche Kulturrat appelliert an die politisch Verantwortlichen im Deutschen Bundestag, bei der Besetzung der Ausschussvorsitze im Deutschen Bundestag ein besonderes Augenmerk darauf zu richten, dass der Ausschuss für Kultur und Medien im Parlament eine besondere Verantwortung für die Kunst- und Medienfreiheit sowie die Erinnerungskultur trägt. Der Ausschussvorsitz darf daher nicht an die AfD gehen, die dieser besonderen Verantwortung nicht gerecht werden kann.“

One thought on “Nein zum Vorsitz des Kulturausschusses durch die AfD

  1. Die AfD darf unter keinen Umständen den Kulturausschussvorsitz übernehmen. Kultur ist uns muss immer Spiegel einer Gesellschaft sein, also auch die Abbildung einer sich gegenseitig bereichernden kulturellen Vielfalt!

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