Nicht in der Stimmung für “In The Mood”

Wer dieser Tage in Dresden musikalische Leckerbissen suchte, musste sich dazu nicht zu lang anstrengen. Im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele, programmatisch unter den Titel “Russlandia” gestellt, gastierten namhafte nationale und internationale Musiker mit ihren unterschiedlichen Programmen in vielerlei Dresdner Kultureinrichtungen. Ein Konzert, auf welches ich mich in diesem Rahmen besonders gefreut habe, ist das von “Berlin Philharmonic Brass”, des Blechbläserensembles der Berliner Philharmoniker, am 5.6. im Residenzschloss gewesen.

Was mich bei diesem Konzert verwunderte: Es waren wenig Blechbläser anwesend. Nicht, dass ich nun jeden Blechbläser Dresdens kennen würde, aber man hat kaum bekannte Gesichter gesehen. Und ein weiterer Fakt, der mich zu diesem Schluss kommen lässt ist, dass fast den kompletten ersten Konzertteil durch nach einzelnen Stücken geklatscht wurde, auch wenn im Programm deutlich “Suite” und darunter die Namen der Teile der selbigen standen. Aber vermutlich ist dies kein Wunder, zieht man den Kommentar der Dame hinter mir zur Darbietung von Bachs “Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ” in Betracht: “Das kenn ich auch irgendwoher… ist ganz bekannt… ich glaub, das ist von Mozart!”
Ein Geheimnis blieb, warum die Besetzung nur in eher wenigen Teilen mit den “üblichen”, auf der Webseite als zum Ensemble gehörenden, übereinstimmte.

Das Programm lässt sich wohl ohne weiteres unter meiner absoluten Lieblingsfloskel “Ein bunter Blumenstrauß der schönesten Melodien” zusammenfassen – was es allerdings, abgesehen von je einem Werk von Strawinsky und Rimski-Korsakov mit “Russlandia” zu tun hatte, blieb ebenfalls im Dunkeln. Von GF Händel bis Glenn Miller war alles dabei – ob das nun notwendig war, bleibt fraglich. Handwerklich war es natürlich ein wunderbares Konzert, gerade Händel und Bach am Anfang beinhalteten Sternstunden der Bläsermusik. Besonders erwähnenswert war auch die Interpretation von Goff Richards “Hommage to the Noble Grape”, die mit viel Spielfreude, Witz und Esprit vorgetragen wurde und das Publikum zu spontanem Beifall in den “Wanderpausen” zwischen den Sätzen hinriss. (Sicher sind diese Pausen, in denen die Musiker ihre Plätze wechseln, notwendig – ohne wäre es aber deutlich ruhiger.) 

Ganz besonders herzvorzuheben sind die 4 Stücke aus John Dowlands “Book of Songs”, vorgetragen von einem exzellenten Posaunenquartett aus den Reihen des Ensembles, angeführt von Olaf Ott, aus dessen Feder auch viele Arrangements für das komplette Ensemble kommen. An diese Klangschönheit, Mischung und Tiefe kam der Rest des Konzertes leider nicht noch einmal heran. Für eine viel zu kurze Zeit bekam der Hörer einen Eindruck davon, wie schön und sanft Posaunen doch klingen können. Vor allem der dunkle Klang, der den Blechbläsern der Berliner Philharmonikern immer wieer attestiert wird, war hier auf ganz besondere Art und Weise erlebbar.

An einigen Stellen des Programms beschlich den Zuhörer allerdings etwas das Gefühl, dass es doch meist 10 einzelne Musiker sind, die dieses Konzert bestreiten. Den vielgelobten Ensembleklang vermisste ich doch für meinen Geschmack etwas zu häufig. Gut, dies mag auch an meinem etwas seitlich gelegenen Platz in diesem halligen Raum, dem überdachten “kleinen” Schlosshof des Residenzschlosses, gelegen haben. Vielleicht war es aber auch in Teilen der veränderten Besetzung geschuldet…?
Als dann doch zu viel des Guten schien mir die Fassung der “Glenn-Miller-Story”. Sicherlich mag es ein gerngewähltes Konzept zu sein, die vielfältigkeit eines Bläserensembles durch die sehr verschiedenen Musikstile, in denen man sich bewegen kann, zu zeigen. Swing jedoch muss am Ende eines solchen Konzertes nicht stehen. Zumal es doch schwierig ist, einen Bigbandsound á la Glenn Miller authentisch hinzubekommen, erst recht nach einem doch eher traditionell geprägten Konzert. Und von “In the Mood” als Zuschauerbesänftigung (die es gar nicht nötig gehabt hätte!) halte ich ohnehin rein gar nichts.

Natürlich ist dies alles Kritik auf hohem Niveau, denn es war doch ein sehr schönes, und unterhaltsames Konzert – und als Unterhaltung war es ja auch ausgeschrieben. Ein Blechbläserkonzert (fast) ohne Ecken und Kanten, bei dem das Publikum hinterher heiter und zufrieden heimgehen konnte. Nicht auszudenken, wie gut ein solches Konzert mit richtigen (herausfordernden) musikalischen Ecken und Kanten, in einem anderen Saal und mit eingespielter Hauptbesetzung wäre!

0 thoughts on “Nicht in der Stimmung für “In The Mood”

  1. Sehr gute Rezension zu diesem Konzert. Konnte leider an diesem Konzert nicht teilnehmen, jedoch war das Feedback einiger Zuhörer, die durchaus etwas von Blech verstehen, ein ähnliches. Gute Solisten, stellenweiser sehr guter Klang und Intonation – jedoch nicht wirklich aufeinander eingespielt. Sehr schade!

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