Stroboskop im Dies Irae

Man kann alles mögliche vertanzen. Ballette, Glückzustände, Langeweile, Opern, Namen. Aber ein Requiem? Muss das sein?

Verdi

not amused: Verdi.

So geschehen am 21./22. November in St. Johannis in Göttingen. Obgleich die musikalische Qualität wirklich wunderbar war und Chor und Orchester nicht nur hervorragende Eigenleistungen, sondern auch eine sehr gelungene Zusammenarbeit gezeigt haben, blieb ein fader Beigeschmack. Aufgeführt wurde Verdis messa da Requiem – ein Stück, dass unter die Haut geht. Ohne hier weiter auf die musikalischen Höhepunkte eingehen zu wollen (die gab es, zum Beispiel das wirklich gute Zusammenspiel mit den Ferntrompeten und die sehr gute Sopranistin oder den für alle Herausforderungen gewappneten Chor): Es gibt Dinge, die sind einfach unnötig. Ein von Laien betanztes Verdi-Requiem gehört dazu, erst recht, wenn es von Beleuchtungseffekten begleitet wird. Im Ernst: Stroboskop beim Dies Irae ist nicht ok! (Mal abgesehen davon, dass ich aus gesundheitlichen Gründen Stroboskop-licht ohnehin kritisch gegenüber eingestellt bin und verfechte, dass das ausgewiesen werden muss.) Außerdem tut es der Musik doch erheblich Abbruch, wenn in lyrisch-zarten Passagen Füße über eine Bühne hoppeln, sodass man sich in eine Pferdebahn versetzt vorkommt. Da half leider auch Augenschließen nichts.

Und in eigener Sache: Das ist ein Requiem. Am Totensonntag. Wenn man schon nicht tieftraurig ist, dann doch wenigstens etwas gefasst. Meine Fassung löste sich allerdings schnell in Luft auf, als die (tanzenden) Akteure mit Jubelkreischen und Pfiffen bedankt wurden. Ich kann mich ja als Dresdner Gewächs schon kaum an Klatschen nach Requien gewöhnen (warum macht man das?), aber Jubelstürme… nicht ok.

Schade. So kann man eine ansonsten gelungene Aufführung auch abwerten.

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